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1968 Dodge Charger R/T

Factsheet

1968 DODGE CHARGER R/T
440 cui V8 (7.2-Liter) 375 hp
Torqueflite 727 3-Speed Automatic

Guilty as Charged

Jürgen Mairs 1968er Dodge Charger R/T hat 14 Jahre hinter Gittern verbracht

Wir schreiben den 23. Februar 1995. Beamten des El Paso Police Department in El Paso, Texas fällt ein silberfarbener 1968er Dodge Charger R/T auf. Nicht etwa, weil die R/T- Version des Chargers selten ist - von 74590 gebauten 68er-Modellen waren lediglich 19% R/Ts - sondern, weil das Fahrzeug zuletzt im April 1992 zugelassen war. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd wird das damals schon 27 Jahre alte Fahrzeug gestoppt. Am Steuer sitzt der mexikanischestämmige Einwanderer Eduardo Rocha, der sich zwar legal in den USA aufhält, aber kein Geld hat, den Strafzettel für "Driving with Expired Registration" zu bezahlen.

Es kommt, wie es kommen muss: Der Wagen wird sichergestellt. Niemand weiß, warum Eduardo Rocha das Fahrzeug nicht wieder auslöst. Für die nächsten 14 Jahre steht der Charger hinter Stacheldraht auf einem Sicherstellungsplatz der Stadtverwaltung unter der glühendheißen Wüstensonne von El Paso, und harrt seines Schicksals. Wann genau, oder auf welchem Weg das Midsize-Coupe schließlich freigekommen ist, wissen wir nicht. Im Sommer 2009 aber taucht der Wagen in einem Kleinanzeigenblatt in Las Vegas auf, ohne einen Hinweis auf seine Geschichte außer der Zeile "Last registered in Texas in 1992".

Szenenwechsel: Sommer 2008, München, Deutschland. Jürgen Mair, Betreiber eines bekannten Münchener Gastronomiebetriebes, ist mit den Nerven am Ende. Seit mittlerweile fast zwei Jahren ist er auf der Suche nach einem 1968 Dodge Charger, der seinen Vorstellungen entspricht, und seit mittlerweile fast zwei Jahren hat diese Suche keine brauchbaren Ergebnisse hervorgebracht. Autos in der richtigen Farbe scheinen immer die falsche Technik zu haben, Autos mit der richtigen Technik sind aber immer in einem nicht akzeptablem technischen Zustand. Dabei ist Jürgens Wunschliste noch nicht einmal lang: Ein schwarzer 68er R/T mit roter Innenausstattung, 440cui V-8 und Automatikgetriebe in weitestgehend rostfreiem Zustand wird sich doch auftreiben lassen?

Im Herbst 2009 erbarmt sich das Schickslal endlich. Der silberne Charger in Las Vegas wird an einen deutschen Händler verkauft. Und Jürgen Mair begegnet in München einem schwarzen 68er. Der steht zwar nicht zum Verkauf, aber von seinem Besitzer erhält Jürgen die Telefonnummer von Oldschool Custom Works im schwäbischen Weinstadt. Dort, so erklärt der Chargerfahrer, würde man Jürgens Wunschcharger notfalls nach den Wunschvorgaben anfertigen.

Plötzlich geht alles sehr, sehr schnell. Jürgen greift zum Telefon, um sich bei Olschool Custom Works über grundsätzliche Möglichkeiten und Kosten zu informieren. Die OCW-Crew bestätigt seine Erfahrungen: Das Wunschfahrzeug ist selten, und noch viel seltener in dieser Farbkombination. Der Aufbau eines 68er R/Ts nach Jürgens Wünschen wäre aber kein Problem. Jürgen solle doch bei Gelegenheit in den Werkstätten in Weinstadt vorbeikommen, um eine detailierte Wunschliste auszuarbeiten. Normalerweise vergehen bei den Restauratoren in Weinstadt von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Beschaffung eines Fahrzeuges meist Wochen, wenn nicht Monate. In dieser Zeit arbeitet die Crew mit den Auftraggebern ein komplettes Konzept für das Wunschfahrzeug aus, und macht sich dann auf die Suche nach der am Besten geeigneten Restaurationsbasis. So hätte auch Jürgens Wunschcharger entstehen sollen - aber genau an diesem Abend, am Abend des ersten Telefonates, erscheint der Texas-Charger, frisch in der Freiheit, auf einer der großen deutschen Gebrauchtwagenbörsen im Internet.

Christian Rühle und Sönke Priebe, die Chefs der OCW, sitzen noch im Büro an diesem Abend. Kurz vor 20 Uhr meldet der Suchdienst der Gebrauchtwagenbörse einen neuen Eintrag in der Rubrik "Dodge Charger". Der Neuankömmling, jener silberner 68er R/T, 440 cui, Automatik - ist perfekt geeignet für Jürgens Pläne. "Echte R/Ts sind selten und teuer" erläutert Christian, "deshalb beschaffen wir solche Fahrzeuge üblicherweise in den USA - was immer ein paar Monate dauert. Den Fall, das genau das richtige Auto zur richtigenZeit direkt in Deutschland angeboten wird, gibt es so gut wie nie."

Jürgens Telefon klingelt kurz nach 20 Uhr. Ob er sich schnell entscheiden könne, fragt Christian. Das perfekte Auto sei soeben aufgetaucht. Falls er sich sofort entscheiden könne, mit OCW zusammenzuarbeiten, würde man noch in der Nacht nach losfahren, um den silbernen Charger zu besichtigen. Erfolg in der Münchener Gastronomie kommt nicht von Ungefähr - schnelle Entscheidungen sind Jürgens tägliches Geschäft. Im Morgengrauen jagt der OCW-Spähtrupp die A7 entlang Richtung Norden.xx Am späten Vormittag wird der Charger besichtigt: 14 Jahre hinter Stacheldraht haben ihre Spuren hinterlassen. Lack und Interieur sind von der gnadenlosen texanischen Sonne verbrannt, der Staub liegt zentimeterhoch in jedem Winkel des Fahrzeuges, die Reifen sind Schrott, und beide Seitenwände haben etliche Streifschäden. Aber 14 Jahre hinter Stacheldraht haben auch verhindert, daß der Wagen geplündert oder ausgeschlachtet wurde - alles ist vorhanden, von der Mittelkonsole bis zu den R/T-Emblemen. Außerdem ist die Karosserie nahezu rostfrei. Das Fahrwerk ist infolge schlechter Straßen so übel zugerichtet wie bei den meisten Wüstenautos. Alles in allem eine wunderbare Basis für einen Wiederaufbau.

Jürgens Telefon klingelt erneut. Nach einer letzten kurzen Besprechung kaufen die Restauratoren den texanischen Charger. Erst vier Wochen später treffen sich die Restauratoren und ihr Auftraggeber dann endlich persönlich in den OCW-Hallen im Remstal. Eine ungewöhnliche Situation für alle Beteiligten - Oldschool Custom Works haben ein Auto beschafft, ohne den Auftraggeber - oder auch nur den Auftragsumfang! - zu kennen, und Jürgen Mair hat ein Fahrzeug bezahlt, des er nicht gesehen hat, von einer Firma, die er bislang überhaupt nicht kannte. Aber alle Sorgen erweisen sich als unberechtigt. Christian, Sönke und Jürgen verbringen einen halben Tag am Fahrzeug und vor dem Computer, bis auch das letzte Detail des Wiederaufbaus feststeht. Originalnah, so wünscht sich Jürgen seinen Charger, bis auf die schwarz-rote Farbgebung. Und alltagstauglich soll er sein. Alltagstauglich heißt in Jürgens Fall, daß der Wagen tägliche Einsätze im Verkehrschaos der Münchner Innenstadt ebenso überstehen muß wie lange Autobahnfahrten nach Norditalien. Und er soll seinem Ruf als dem sportlichsten Mitglied der Chargerfamilie gerecht werden.

Die Restauratoren beginnen mit der Totalzerlegung des Wagens. Die leergeräumte Karosserie wird gesandstrahlt. Der komplette Unterboden bleibt dank des trockenen Texanischen Klimas erhalten, allerdings müssen allerorten die Spuren von langen Fahrten auf den schlechten Wüstenstraßen beseitigt werden. Offene Schweißnähte und die losgerissene Kreuzverstrebung hinter der Rückbank sind Zeugnisse von vielen durchfahrenen Schlaglöchern. Die frisch geschweißte Karosserie wird ein zweites Mal gesandstrahlt und dann verzinkt. Für die vorderen Kotflügel entscheiden sich die OCW-Karosseriebauer für Ersatzteile vom Premiumhersteller AMD, zu viele Parkrempler haben in 14 Jahren auf dem Sicherstellungsplatz ihre Spuren hinterlassen.

Die Karosserie wird schließlich im Mehrschichtverfahren erst Tiefschwarz lackiert und dann mit Klarlack überzogen. Alle Metallteile unterhalb des Blechkleides, von den Stoßstangenträgern über Fahrwerksteile bis hin zur Hinterachse werden gesandstrahlt und Pulverbeschichtet, die Schrauben werden verzinkt. Die Querlenker des Fahgrzeugs werden ersetzt, da die Originalteile völlig verschlissen, im Falle des unteren linken Querlenkers sogar angebrochen sind. Neue XHD-Federn, Koni-Dämpfer, Heavy Duty-Zugstreben und ein Stabilisator für die Hinterachse werden mit Polyurethanbuchsen zu einem leistungsfähigen Fahrwerk zusammengefügt, eine neue Scheibenbremsanlage für die Vorderachse zusammen mit komplett neuen Trommelbremsen auf der Hinterachse liefern die notwendige Verzögerung, gelenkt wird fortan über ein manuelles Flaming River Lenkgetriebe, anstelle der notorisch überunterstützten Einfinger-Servolenkung.

Um die neugewonnene Leistungsfähigkeit des Fahrwerkes nicht unnötig einzuschränken, erhält der Wagen zusätzlich moderne Hochleistungsreifen im Format 245/60R15 auf 15x8 Magnum500-Felgen, anstelle der werksseitig montierten 215/70R14-Schmalspurreifen auf 6-Zoll-Felgen. Damit der Originallook erhalten bleibt, bekommen die 245er einen roten Streifen aufvulkanisiert.

Den vorgefundenen 440 cui V8 (7.2-Liter) ersetzt die OCW-Crew ganz. Der Motor trägt Gußnummern, die ihn als PKW-Motor aus dem Jahr 1978 ausweisen - dem letzten Jahr, in dem Chrysler (als letzter Hersteller überhaupt) einen PKW-Bigblock im Programm hatte. Statt dessen erhält Jürgens Charger einen echten 1968er 440er Motor aus einem anderen Dodge Charger, der von Grund auf neu aufgebaut wird. Diverse Verbesserungen, etwa eine Comp Cams-Nockenwelle und von einem süddeutschen Rennsportspezialisten überarbeitete Keith-Black-Kolben sorgen dafür, daß der Motor seine 1968 mit 375 hp angegebene Leistung auch tatsächlich erbringen kann. Um dem Motor das Ausatmen zu erleichtern, treibt die OCW-Crew einen Satz rarer zeitgenössischer HP-Gußkrümmer auf, und paart diese mit einer zweiflutigen Edelstahlauspuffanlage mit einem Rohrdurchmesser von vernünftigen 2.5 Zoll.Hinter dem Motor wird das zwischenzeitlich vom Schweizer Spezialisten Michel Buchs aufgebaute originale TF727-Dreigang-Automatikgetriebe montiert, gepaart mit einem Overdrive-Aufsatz des US-Herstellers Gear Vendors mit entsprechend gekürzter Kardanwelle, der die Automatik auf sechs verfügbare Gänge erweitert, so daß auch Autobahnfahrten mit hohen Geschwindikkeiten kein Drehzahlproblem mehr bedeuten.xxIm gesandstrahlten und Pulverbeschichteten Hinterachsgehäuse ersetzen gekapselte Kugellager die offenen Rollenlager, und das offene, 3.23:1 übersetzte Differential weicht einer durchzugsfreudigeren 3.55:1-Übersetzung, für gleichmäßige Kraftübertragung und erhöhtes Burnout-Potential sorgt ein Auburn-Sperrdifferential.

Ein großer Aluminiumkühler gekoppelt an eine HighFlow-Wasserpumpe und unterstützt von zwei automatischen Elektrolüftern rundet das Antriebspaket ab. Zuletzt beseitigen die OCW-Spezialisten noch eins der lästigsten Probleme, mit denen sich Mopar-Besitzer seit Jahrzehnten herumschlagen müssen. Die unterdimensionierte und hochgradig kurzschlußgefährtete Spritzwanddurchführung des Stromkreises, der Lichtmaschine, Ammeter und Batterie verbindet, erhält den sogenannten Fleet-Bypass, mit dem Chrysler werksseitig schon die Polizei- und Taximodelle der nahe mit dem Charger verwandten Coronet-Modellreihe ausgestattet hatte. Der ständig schmelzgefährdete, weil ähnlich unterdimensionierte Fußschalter für die vier Fernlichtscheinwerfer des Wagens wird durch eine moderne Relais-Schaltung entlastet. Im gleichen Zug erhält Jürgens Charger noch eine 140 Ampere Lichtmaschine, 80 mehr als ursprünglich verfügbar, damit der verbaute ein High Torque Ministarter und die Heavy Duty-Batterie adequat bestromt werden können.

Nur einige wenige Teile der Innenausstattung lassen sich in Rot beschaffen. Der Rest wird von den OCW-Lackierern in wochenlanger Arbeit erst in der jeweiligen Grundfarbe des Two-Tone Interieurs eingefärbt, dann mit dem originalen Metallic-Effekt versehen und schließlich versiegelt, bevor Jürgens Wunschinnenausstattung samt rotem Teppich, rotem Himmel, roten Sonnenblenden und roter Lenksäule verbaut werden kann. Einziges Zugeständnis an die Moderne im Innenraum sind Anschnallgurte mit E-Prüfzeichen, die auf der Rückbank auf die Aufnahme eines Kindersitzes ausgelegt sind. Zusatzinstrumente gibt es, anders als in vielen Mopars keine - denn alle Originalinstrumente mitsamt der Uhr hat die OCW-Crew aufgearbeitet.

Als letzte Amtshandlung bringen die Restauratoren im Sommer 2009 den Roten Bumblebee-Streifen am Heck des Chargers auf. Mehr als 15 Jahre nach seiner Gefangennahme nimmt der ehemalige Häftling zum ersten mal wieder legal am Starßenverkehr Teil. Auf seiner Überführungsfahrt von Stuttgart nach München verbraucht der 7.2-Liter auf der Autobahn ganze 13 Liter

Weiteren Lesestoff zu diesem Fahrzeug finden Sie hier.

THE B-DAY 2017

Am 16. SEPTEMBER findet zum sechsten Mal das wichtigste GM-Fullsize-Treffen Europas statt, natürlich hier bei uns auf dem OSCW-Werksgelände.
Die in den letzten Jahren dramatisch angewachsene ARLINGTON MILITIA, vertreten durch das Stuttgarter B-Body-Hilfswerk, unterstützt durch die Organisation B.O.E.S.E und die Sonderkommission Süd lädt ALLE General Motors B-Body-Fahrzeuge aller Modellgenerationen (Egal ob Caprice, Impala SS, Roadmaster, Custom Cruiser...) zur feierlichen Begehung des "B-DAY" und zur Lobpreisung der letzten Generation GM RWD-Fullsize ein, wie immer ab 10 Uhr in der Grunbacher Straße 59 in Weinstadt.


Interesse? 07151-9842266 oder eMail an service@oldschoolcustoms.de


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7th Southern Muscle Car Showdown

Am 23. und 24. SEPTEMBER findet ebenfalls auf unserem eigenen Gelände in Weinstadt zum siebten Mal in Folge das einzige, echte und ORIGINALE Muscle Car BBQ Grillout statt - 7th SOUTHERN MUSCLE CAR SHOWDOWN!

Burger & Hubraum sehen nirgendwo anders zusammen besser aus! Auch für kühles Bier, heißen Kaffee, kaltes Eis und Kuchen ohne besondere Temperaturangabe ist gesorgt!

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